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Dekorative Platten im Innenausbau: Wo die Klassiker immer Trend und Kinder mit Bobbycar die Qualitätsprüfer sind.

Iris Lütolf ist Spezialistin für Dekorative Platten bei der HWS Reiden. Sie berät SchreinerInnen, Architektinnen und Architekten sowie Endkunden zu den Möglichkeiten rund um dekorative Holzwerkstoffe im Innenausbau.

 

Iris Lütolf

 

Iris, du warst Zeichnerin Fachrichtung Innenarchitektur in einer Schreinerei. Du hast die AVOR für Schreiner gemacht, Messebau, Planung, Konzepte, Badplanung, immer mit Fokus auf Holz und Holzwerkstoffe. Du hast also viel Erfahrung in der Beratung von Innenausbau-Spezialisten und deren Kunden gesammelt. In der Kampagne zum BEST OF Lagersortiment wird augenzwinkernd die Frage nach einer rosa Küche gestellt und ich muss dich deshalb gleich fragen: Wie oft ging es da im Innenausbau um rosa Platten oder andere eher extravagante Farben?

(lacht) Selten. Wenn, dann am ehesten noch im Messebau oder für Kinderzimmer. Wobei man sagen muss, im Privatbereich wird es ab und zu in Erwägung gezogen, schlussendlich sind es meistens aber doch die klassischen Farben, die gewählt werden.

Welche wären das?

Weiss, anthrazit und Erdtöne. Der Grund liegt vor allem darin, dass diese Farben sehr gut kombinierbar sind und nicht so schnell «verleiden». Bei den Oberflächen ist es übrigens dasselbe. Die Klassiker sind glatte oder ganz fein strukturierte Oberflächen, wahlweise glanz oder matt. Die «wilden» Oberflächen und Muster sind eher Spezialfälle. Unser Lagersortiment der dekorativen Platten heisst deshalb auch BEST OF: Es zeigt nur die wesentlichen Dekore, Strukturen und Formate.

Das heisst also, weder SchreinerInnen noch Kunden brauchen sich durch die ganzen Stapel von Musterordnern zu wühlen, weil in 90% der Fälle sowieso die Klassiker der beliebtesten Hersteller das Rennen machen?

Genau. Man muss auch sehen, dass die Endkunden ab der schieren Vielfalt an verfügbaren Platten oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Es ist eine Hilfestellung für sie, wenn sie von den SchreinerInnen mit einer gut sortierten Vorauswahl wie der BEST OF Mappe beraten werden. Die Innenausbau-Profis selber wissen in der Regel ja genau, was sie brauchen, dort geht es um Verfügbarkeit, Lieferzeit, Formate und mögliche Alternativen. Und für persönliche Favoriten, die noch nicht in der Mappe sind, gibt es freie Steckplätze für eigene Muster. So ist eine fokussierte und gleichzeitig flexible Beratung möglich.

Wie sieht es mit den Qualitäten von dekorativen Platten aus? Laien sehen ja meistens einfach ein Möbel oder eine Schrankfront aus Holz mit Belag. Kannst du kurz die Unterschiede erklären?

In den meisten Fällen sind dekorative Platten Spanplatten, die mit den unterschiedlichen Dekoren entweder beschichtet oder belegt wurden. Ganz vereinfacht gesagt wird bei beschichteten Platten eine Art Folie auf die Spanplatte geklebt. Es gibt entweder den Einblatt-Aufbau mit einer Schicht Folie oder den Mehrblatt-Aufbau mit entsprechend mehreren Schichten.
Bei den belegten Platten wird ein Schichtstoff aus Kunstharz auf die Platte verpresst. Von der Qualität her kann man grob sagen, dass sie sich in dieser Reihenfolge steigert: Einblatt beschichtet, Mehrblatt beschichtet, Schichtstoff belegt. Es gibt statt Schichtstoff auch High-End-Lackplatten. Ist Geschmackssache, aber definitiv edel und robust.
Dann gibt es noch die Spezialisierungen wie Antifingerprint, die sind z.B. interessant in Küchen mit Push-Beschlägen. Es sieht einfach unschön aus, wenn man plötzlich ein Leopardenmuster in Form von Fingerabdrücken hat.

Im Lagersortiment BEST OF gibt es hauptsächlich Einblatt-Aufbau oder Schichtstoffe, also belegt. Wieso sind da nicht mehr Platten mit Mehrblatt-Beschichtung? Bei vielen Dingen ist ja normalerweise grade die «mittlere» Qualität die beliebteste.

Mehrblatt-Aufbau als die «mittlere» Qualität zu bezeichnen, wäre etwas zu kurz gegriffen. Meines Erachtens ist Einblatt-Aufbau für den Grossteil der Projekte ausreichend. Wünscht sich ein Kunde explizit einen höheren Ausbaustandard, dann bieten wir natürlich auch Mehrblatt-Aufbau an. Sofern es auf Bestellung beim Hersteller überhaupt machbar ist, diese produzieren auf Lager auch mehrheitlich «nur» Einblatt-Aufbau.

Jetzt mal ganz konkret: Hält eine Küchenfront mit Einblatt-Aufbau dem Familienalltag mit einem Zweijährigen mit Bobbycar stand?

Ich habe selber Kinder und kann deshalb sagen: Ja, tut sie. Die Schwachstellen von Möbelstücken liegen meist eher bei den Kanten oder den Beschlägen, das ist aber wieder eine andere Geschichte. Man muss auch unterscheiden zwischen Mietshäusern und Eigenheimen. Ich persönlich werde zum Beispiel in meinem eigenen Haus auf jeden Fall belegte Platten wählen, das sieht schön hochwertig und edel aus. Die Bauherren von Mietshäusern wählen hingegen oft die einfacheren Platten und meiner Erfahrung nach kann die ungefähre Amortisationszeit von 20 Jahren bei normaler Beanspruchung locker eingehalten werden. Und nach dieser Zeit geht es ja eh wieder um die Dekore. Sprich, will der Vermieter seine Wohnung gut vermieten können, muss sie den Mietern gefallen. Und das ist bei einer 20jährigen Küche oft nicht mehr der Fall. Die Optik ist meistens noch vor Beschädigungen der Grund für eine Teil- oder Komplett-Renovation.

Apropos Optik: Was ist der Trend in Bad und Küche zurzeit?

In Style-Heften wie z.B. der Vogue kann man meistens schon Monate vorher erkennen, was Trend wird. Vor einiger Zeit war es mal die Farbe Oker jetzt ist es Petrol. Aber bevor du fragst: Nein, ich finde nicht, dass die SchreinerInnen für die Kundenberatung die Vogue lesen müssen oder generell immer up to date sein müssen, was jetzt grad der Trend ist. Es kommt ja darauf an, was die Kundin oder der Kunde möchte. Und wie schon gesagt sind weiss, anthrazit und Erdtöne zeitlos und extrem gut mit allen Bunttönen kombinierbar. Es ergibt also mehr Sinn, die Küche schlicht zu halten und die Deko oder die Wandfarbe nach Trend zu wechseln.

Welche Tipps hast du sonst noch bezüglich Kundenberatung im Innenausbau?

Wie eben erwähnt, sollten Trends eher in der Deko ausgelebt werden. Oft ist das den Kunden aber nicht so bewusst. Es ist wichtig, hier bei der Kundenberatung eine Linie aufzuzeigen: Vergesst die Farben wechselt lieber die Deko. Passt es in 15 Jahren noch oder hast du es in 5 Jahren gesehen? Nach einigen Jahren alle Fronten rauszureissen tut verdammt weh. Die Wandfarbe wechseln ist einfacher. In Mietshäusern ist das noch wichtiger. Dort muss es einem möglichst breiten Publikum gefallen, ansonsten gibt es Probleme bei der Vermietung.

Messebauer und Architekten nutzen in der Planungsphase sogenannte Moodboards, das heisst, man kreiert Farb- und Designwelten und zeigt so die Stimmung, die ausgestrahlt werden soll. SchreinerInnen können ein Moodboard in Form einer Materialisierungsplatte bauen. Z.B. einen würfelförmigen Kasten, eine Wand oder einen Möbelprototyp, die man mit Mustern bestücken kann. Muster in den entsprechenden Grössen können übrigens ebenfalls bei uns bezogen werden. Das hilft für den Gesamteindruck, man sieht so, wie die einzelnen Dekore zueinander wirken und ob von einem Dekor evtl. zu viel vorhanden ist. Man weiss zum Beispiel, dass 3x so viel Fläche Gelb verwendet werden muss, um die gleiche Wirkung wie eine violette Fläche zu erzielen. Und wenn ich 90% schwarz habe, kann das ziemlich erdrückend sein.
Ich bin übrigens auch der Meinung, dass die Kunden die verschiedenen Muster unbedingt mit nach Hause nehmen müssen, denn Licht und Umgebung machen viel aus. In unserer BEST OF Mappe gibt es für die Vorauswahl alle Dekore im Kleinformat. Die in Frage kommenden Muster können unkompliziert bei uns im A4 Format angefordert werden.

Und mein letzter Tipp, nicht minder wichtig: Nachfragen, wie die Lebensumstände sind. Hat der Kunde Kinder, Enkelkinder, wie viele Personen leben im Haushalt usw. Im Gespräch, das sich dann ergibt, hört man vieles raus. Oft ist ja auch die finanzielle Ausgangslage entscheidend, ob man den Auftrag erhält. Es geht darum, zu beraten was für den Kunden und seine Situation stimmt und nicht, was mein Standard ist. Das zeugt von Kompetenz und ist zielgerichtet. Pauschalberatung erhalte ich auch im Möbelhaus mit den vier Buchstaben.

 

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Sie haben noch Fragen zu Dekorativen Platten? Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Innendienstes stehen Ihnen gerne zur Verfügung:

HWS Gfeller: Tel. 081 300 66 00, info@hws-gfeller.ch

HWS Frauenfeld: Tel. 052 723 40 40, info@hws-frauenfeld.ch

HWS Reiden: Tel. 062 758 25 25, info@hws-reiden.ch

Küchler AG: Tel. 044 738 31 01, info@kuechler.ch